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Dead Man

Wie läuft so ein "Stellwerksbau" eigentlich ab?

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Dead Man

Ich möchte mal die Gelegenheit nutzen und ein bisschen über den Vorgang und den Aufwand schreiben, der betrieben werden muss um ein Stellwerk zu bauen. Nutzen möchte ich dafür mein erstes (fast) fertiges Stellwerk, Fulda.

Warum hab ich mich als Kölner für Fulda entschieden? Als Triebfahrzeugführer hält man sich schon mal auf einem Stellwerk auf. Jedoch war vor allen in meinem Anfangsjahren das Interesse am "Zug fahren" größer als an der Stellwerkstechnik, weshalb ich mich auch nur noch dunkel an einen Besuch im Rahmen der EiB-Ausbildung auf dem Stellwerk Köln Hbf erinnern kann. Erst im Laufe der Jahre begann man sich auch für die Zusammenhänge und das "drum herum" intensiv zu interessieren. Da ich im Güterverkehr dann seit 2008 sehr oft in Fulda zu tun hatte, gab es irgendwann dann auch die Möglichkeit das Stellwerk zu besichtigen. Von da an war mein Interesse komplett geweckt. Eine riesige Stellwand, viel Technik, Fernsteuerzentrale, LZB-Zentrale, usw. Irgendwann konnte ich dann auch Richard davon überzeugen mir die Möglichkeit zu geben, Fulda für Signalsoft zu nachzubauen. Als Vorlage dienten Fotos, Videos, Gleispläne, etc.

Es folgten erste Gehversuche mit dem Editor, Schriftverkehr und Telefonate mit Richard und Charlie, wie was funktioniert, etc. Viele "Symbole" die in der Sim Fulda heute zu finden sind, gab es noch nicht und mussten von Richard erst noch in digital gezeichnet werden. Dann wurden die Gleise Stück für Stück verlegt. Schwarze Striche in weißen Kästchen, die je eine Tischplatte darstellen sollen. Der graue Untergrund der Tischplatten kommt erst im fortgeschrittenen Stadium. Man muss höllisch aufpassen, dass man nicht irgendwo ein Stück Gleis zu viel einfügt und sich dadurch alles verschiebt, das kann ganz schnell noch mehr Arbeit machen, insbesondere bei so einer großen Stellwand. Nachdem die Gleise und Weichen als solches mit den Gleisnummernfelder verlegt waren, folgten Signale und Außentasten. Bis dahin sind nun schon knapp 3 Wochen vergangen. Hätte man in diesen 3 Wochen keinen Urlaub gehabt, wären es wohl 4-6 Wochen geworden.

Am 14.07.2013 wurde mit dem Bau im Editor gestartet. Wir haben nun Mitte August und auch die Tischplatten die keine Tasten, Gleise, etc. beheimaten wurden einzeln "eingegraut". 6720 Tischplatten sind es insgesamt und somit das derzeit größte Signalsoft-Stellwerk und das sicherlich auch in der Komplexität. Wie die ganze Stellwerkstechnik drum herum umsetzen? DrS600 gab es bislang noch nicht. Also wurden durch die Hilfe von Bekannten, die mit dieser Technik zu tun haben, oder von Infos vor Ort Daten gesammelt. Mit Hilfe der Daten entstand dann Düsseldorf-Gerresheim als erstes DrS600. Die Daten wurden dann auf Fulda übertragen. Weitere Infos sammeln zum DrS2-Betrieb von Götzenhof und Marbach war notwendig, ebenso für die Lorenz-Stellwerke auf der SFS. Weitere Telefonate und Mails mit Richard folgten, um alles abzustimmen. Zudem wurde der Wunsch nach einer Option für Personalwechsel bei Güterzügen in Fulda geäußert, da diese in der Realität dort zum Alltag gehören. Hier wurde durch Charlie entsprechend programmiert und getestet. Außerdem wurde noch für jeden Gleisfreimeldeabschnitt einzeln Daten die Gleisnummer, Gleislänge, Vmax (bei Weichen die Vmax geradeaus und Vmax abzweigend), etc. festgelegt. Außerdem wurde im Laufe der Prozesses die Möglichkeit hinzugefügt, für jeden Gleisfreimeldeabschnitt auch eine Steigung, bzw. Gefälle einzutragen, was in Fulda ebenfalls zur Anwendung kommt und es so in der Simtechnik nicht mehr "egal" ist, wo man einen schweren Güterzug zum halten bringt.

Als nächstes kam die Frage auf, wie der Fahrplan erstellt wird. Hier wurden über Hafas, etc. die Fahrpläne für Fulda in Textdateien umgewandelt und weiter bearbeitet, bevor sie schließlich in eine Access-Datenbank überführt wurden. Für den Güterverkehr gab es zum Glück sehr zuverlässige Daten, sodass der Fahrplan im Regelverkehr hier sehr schnell eingebaut werden konnte. Die Züge fuhren nun. Anschließend musste noch erforscht werden, welcher Zug im Nahverkehr auf welche Folgeleistung wendet, etc. Auch hierfür waren wieder diverse Kontakte notwendig, um zuverlässige Aussagen zu bekommen. Man will ja schließlich nicht tagelang am Bahnhof hocken und sich alle Züge vor Ort von Hand aufschreiben.

Anschließend mussten auch die Fahrplanhalte programmiert werden. In einer Textdatei mit xml-Code, wurden so etwas über 300 Zeilen an Code programmiert und immer direkt mit der Sim getestet, ob diese die Daten auch so übernimmt und vor allem annimmt. Dafür muss natürlich ein Fahrplanhalt im Fahrplan auch exakt den Angaben in der Bahnsteigdatei entsprechen. Ein Fehler einer Zahl, Buchstabe oder Groß-/Kleinschreibung und man fängt mit der Fehlersuche an.

Ziwschendurch gab es immer mal wieder kleinere Probleme die es zu lösen galt, da bei der für Signalsoft "neuen" Stellwerkstechnik und auch der Dateneingabe beim S600 diverse Fragen auftauchten zu allen möglichen Eventualitäten: "Was ist wenn..." -> "passiert in der Realität nie"... -> "und wenn doch???" -> "öhhh, ähhhh...." Hier mussten immer wieder diverse Quellen vor Ort oder im Fachbereich befragt werden, was auch bei der Distanz zwischen Wohnort Köln und Fulda immer eine gewisse Planung, terminliche Abstimmung und Zeit in Anspruch nahm.

Inzwischen haben wir März 2014 und die Sim wird zum ersten mal als solches ausgeführt. Zwar noch mit einem Haufen Bugs, aber die ersten Züge huschen über die Wand. Weiter ging es mit dem Einbau der LZB auf die Gleise mit Linienleiter. Auch die LZB-Blocksignale mussten von Richard programmiert werden, da es auch das zuvor noch nicht gab. Inzwischen sind weitere 3 Monate vergangen, in denen viel am Fahrplan gewerkelt wurde. 1186 Zug- und Rangierfahrten sind es zur Zeit. Insgesamt gibt es in der reinen Fahrplandatei über 130.000 Felder die zum Großteil ausgefüllt werden müssen. Hinzu kommt, dass viele Fahrzeuge noch nicht in der Datenbank vorhanden waren und erst erstellt werden mussten. Außerdem wurde jeder der 680 Güterzüge einzeln so programmiert, dass er mal länger und mal kürzer sein kann. Die Ziellinie ist langsam in Sicht. Wie viele Stunden das ganze Team in Fulda investiert hat und wie viel ich im einzelnen mit dem Bau, dem zusamentragen von Infos und der Fahrplanbau lässt sich gar nicht mehr errechnen. Ich hatte zwar am Anfang tatsächlich mal gezählt, aber bei 200 Stunden habe ich dann glaube ich aufgehört. Das war allerdings noch im letzten Jahr...

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Helmut

Hallo Dead Man,

da sieht man, wie eine Idee schnell geboren wird, die Umsetzung dann aber immer neue Aufgaben mit sich bringt und die ganze Sache sehr komplex und zeitaufwändig wird. Wie man schon vorher vermuten konnte, steckt also ein Haufen Arbeit dahinter und der Teufel im Detail.

Trotzdem entnehme ich deinen Zeilen, dass dein Enthusiasmus noch immer ungebrochen ist und du wohl mit Stolz auf das bisher erreichte blickst.

Ich bin schon sehr gespannt auf das Resultat eurer Mühen und auf die Arbeit, die dann auf uns Nutzer zukommt, wenn wir das Stellwerk betreiben.

Gutes Gelingen

Helmut

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Sommer David

Wow, ich bin beeindruckt, was da Zeit und Herzblut rein is. Ich hatte zwar eine leichte Ahnung, was da dahinter steckt, aber das es so aufwendig ist.

Toll das du nach auch nach einem Jahr Entwicklung noch so motiviert klingst in dem Post. Ich freu mich schon darauf, wenn Fulda fertig ist.

mfg Spedy56

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Wueht

!!! HUT AB !!!

oder die Hutsammlung am besten !

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Haiger

Wie kann man den mit machen und ggf. selber ein Stellwerk bauen? hab bisher nur ein paar "tote" Grafiken gemacht.. :)

Grüße Timo

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Guest
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